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Nippon Connection: 20 Jahre japanische Kultur in Frankfurt

Mayu Sugayu gestaltet seit zwei Jahrzehnten die Nippon Connection in Frankfurt und bringt japanische Perspektiven in die deutsche Kultur.

Von Sophie Richter25. Juni 20264 Min Lesezeit

LEIPZIG, 25. Juni 2026Eigener Bericht

Es ist ein warmer Frühlingstag in Frankfurt, als ich die ersten Schritte zur Nippon Connection mache, einem Festival, das mittlerweile ein fester Bestandteil des kulturellen Kalenders der Stadt ist. Die Farben und Klänge, die aus den Sälen strömen, ziehen viele Besucher an, die sich für Japan interessieren, sei es durch Film, Essen oder Kunst. Inmitten dieses bunten Treibens steht Mayu Sugayu, die seit zwanzig Jahren die Fäden des Festivals in der Hand hält und immer wieder neue Perspektiven aus Japan nach Deutschland bringt.

Mayu Sugayu ist nicht nur die Geschäftsführerin des Festivals, sondern auch eine Brückenbauerin zwischen zwei Kulturen. Ihre persönliche Geschichte ist untrennbar mit der Nippon Connection verbunden, die 2000 ins Leben gerufen wurde, um den deutschen Zuschauern japanisches Kino näherzubringen. In einer Zeit, in der der Zugang zu internationalen Filmen begrenzt war, bot das Festival eine Plattform für Werke, die nicht im Mainstream zu finden waren. Sugayu erinnert sich, wie sie anfangs mit einer kleinen Auswahl an Filmen begann und im Laufe der Jahre Zehntausende von Besuchern anlockte.

Die Art und Weise, wie Sugayu das Festival organisiert, reflektiert ihre tiefe Verbundenheit mit beiden Kulturen. Jedes Jahr wählt sie Filme aus, die nicht nur unterhalten, sondern auch zur Reflexion anregen. Ein Beispiel ist der Film "Rashomon" von Akira Kurosawa, der die Komplexität menschlicher Perspektiven thematisiert. Solche Werke fordern die Zuschauer auf, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und die Vielfalt menschlicher Erfahrungen zu erkennen. Diese tiefgehende Auseinandersetzung mit den Themen ist ein zentrales Anliegen von Sugayu.

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal der Nippon Connection ist die Einbindung lokaler Künstler und Akademiker. Sugayu hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Filme zu zeigen, sondern auch Diskussionen und Workshops anzubieten, in denen japanische und deutsche Ansichten zusammengebracht werden. In diesen Räumen wird der Austausch gefördert, was letztlich zu einem tieferen Verständnis beider Kulturen führt. "Kultur lebt von der Interaktion", sagt sie, und ihre großartige Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, ist ein Grund, warum das Festival so erfolgreich ist.

Im Laufe der Jahre hat Sugayu auch erlebt, wie sich die Wahrnehmung von japanischer Kultur in Deutschland verändert hat. Zu Beginn des Festivals waren die meisten Menschen wenig mit Japan vertraut, abgesehen von Klischees über Sushi und Anime. Mit der Zeit hat sich das geändert. Der Zugang zu Informationen ist einfacher geworden, und internationale Kultur wird zunehmend geschätzt. Sugayu sieht diese Entwicklung als positiv an, da sie das Bewusstsein für die Vielfalt japanischer Kunst fördert und gleichzeitig die Grundlage für neue Dialoge schafft.

Ein zentraler Bestandteil des Festivals sind die filmischen Neuentdeckungen, die oft außerhalb der großen Filmfestivals stattfinden. Sugayu legt großen Wert darauf, aufstrebenden Filmemachern eine Bühne zu bieten. Sie erzählt von einem jungen Regisseur, der mit seinem Debütfilm beim Festival gefeiert wurde und mittlerweile zu den bekanntesten Namen der japanischen Filmindustrie gehört. Solche Erfolgsgeschichten sind der Lohn für ihr Engagement und zeigen, wie wichtig es ist, Talente zu fördern.

Die Programmvielfalt der Nippon Connection reicht von zeitgenössischen Filmen über klassische Werke bis hin zu experimentellen Kurzfilmen. Sugayu hat stets ein Gespür dafür, welche Themen die Menschen bewegen. In den letzten Jahren wurden immer wieder Filmbeiträge zu sozialen Themen, wie den Herausforderungen, vor denen junge Menschen in Japan stehen, gezeigt. Diese Themen schaffen eine Verbindung zum Publikum und machen die Filme greifbar. "Es ist wichtig, dass die Zuschauer nicht nur unterhalten werden, sondern auch etwas mitnehmen", erklärt Sugayu.

Neben dem Film wird auch die japanische Gastronomie während des Festivals in den Fokus gerückt. Es gibt Workshops zu traditionellen Kochtechniken und die Möglichkeit, japanische Spezialitäten zu probieren. Diese kulinarischen Erlebnisse sind nicht nur eine Freude für die Sinne, sondern ebenfalls ein Weg, mehr über die Kultur zu erfahren. Die vielfältigen Geschmäcker und Zubereitungsarten laden dazu ein, die japanische Esskultur zu entdecken und wertzuschätzen.

Mit der Rückkehr zur Normalität nach den Einschränkungen durch die Pandemie hat Sugayu eine Reihe neuer Formate entwickelt, um das Festival weiterzuentwickeln. Hybridveranstaltungen, die Online- und Präsenzformate kombinieren, haben sich als sehr effektiv erwiesen, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Dies zeugt von ihrer Anpassungsfähigkeit und dem Wunsch, weiterhin einen Dialog zwischen den Kulturen zu ermöglichen. Die Nippon Connection ist nicht nur auf eine Woche im Jahr beschränkt, sondern hat sich als ganzjähriges Projekt etabliert, das Workshops und kulturelle Veranstaltungen umfasst.

Mayu Sugayu ist sich der Verantwortung bewusst, die sie mit ihrer Arbeit trägt. Sie möchte nicht nur ein Festival organisieren, sondern auch eine Plattform schaffen, die einen echten Austausch ermöglicht. Ihre Vision ist es, die kulturelle Verständigung über Grenzen hinweg zu fördern und mehr Menschen Zugang zu japanischer Kunst zu verschaffen. Diese Mission hat das Festival zu einem der wichtigsten kulturellen Ereignisse der Stadt gemacht.

Als ich am Ende des Tages die letzten Eindrücke des Festivals mitnehme, wird mir klar, dass die Nippon Connection weit mehr ist als nur eine Reihe von Filmvorführungen. Es ist ein Ort des Dialogs, des Lernens und der Entdeckung. Mayu Sugayu hat mit ihrem unermüdlichen Einsatz einen Raum geschaffen, in dem verschiedene Perspektiven zusammenkommen und neue Ideen entstehen können. Dieser Austausch ist es, der die Nippon Connection zu einem einzigartigen Erlebnis macht, welches nicht nur Frankfurt, sondern auch die internationale Kulturszene bereichert.

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